Vereins-Aus-Flug nach Dänemark 2023

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Der geplante Termin für den Start des UL-Vereins­aus­flugs Anfang April rückt näher und das Wetter soll besser werden: Nach dem gemäß DWD nassesten März seit gut 20 Jahren haben wir großes Glück und ein Hoch setzt sich von Skandi­navien nach Norddeutschland durch. Sonntag­nach­mittag soll der Regen aufhören und die sechs Pilotinnen und Piloten (Natalie, Anett, Falk, Jörg, Sebastian und Frank) gehen an den Start. Wir fliegen mit zwei ULs (WT9 und FK9) und einer Aquila. Armin hat uns aus seinem schier unerschöpf­lichen Erfah­rungs­schatz eine Route vorge­schlagen und unsere Fragen geklärt. Mit Hilfe einer spezi­ellen Powerbank und passendem Traktor-Stecker springt auch die ZG an und alle drei Flugzeuge starten Richtung Taunus. Ab Kassel soll das Wetter schon prima sein, aber im Taunus ist die Sicht noch schwierig. Zuerst findet die BK eine Lücke und die ZG folgt mit etwas Abstand in 2.300ft, nur die Taunus-Pinzchen in der ZD treffen die sichere Entscheidung, erst am nächsten Morgen zu fliegen. Respekt!

In Gander­kesee ist der erste Zwischen­stopp geplant und alle drei Flugzeuge samt Besatzung machen sich Montag­morgen auf den Weg nach Stauning an die Westküste von Dänemark. Vorher haben wir für die beiden ULs eine Einflug­ge­neh­migung beim dänischen Ultra­leicht­verband DULFU für Flugzeuge und Piloten beantragt und genehmigt bekommen. Der Flugplan wird in Gander­kesee geöffnet und wir fliegen bei strah­lendem Sonnen­schein nach Dänemark.

Dann beginnt ein Auffri­schungskurs unserer engli­schen Funkkennt­nisse: Auf dem Weg nach Stauning melden wir uns an der Grenze bei Copen­hagen Infor­mation, werden sofort weiter­ge­reicht zu Skydstrup Approach, dann zu Esbjerg Infor­mation, danach Billund Approach und schließlich Stauning Infor­mation. Den schwie­rigsten Job haben die Funker in unseren Flugzeugen, die gefühlt alle 10 Minuten wieder einen neuen Controller beglücken dürfen. Der Platz in Stauning bietet viel Platz, unsere Maschinen sehen auf dem Vorfeld winzig aus im Vergleich zu den dort parkenden Flugzeugen.

 

Die ZG bekommt nach dem Versprechen, nur ganz langsam und ganz wenig zu tanken (Tankuhr defekt) gnädi­ger­weise 20 Liter Sprit, die anderen beiden Maschinen haben zum Glück einen großen Tank. In Stauning besuchen wir das Luftfahrt­museum, das in 15 Minuten zu Fuß erreichbar ist. Tolle Flugzeuge aus über 100 Jahren Luftfahrt­ge­schichte sind auf jeden Fall einen Besuch wert.

 

Nachmittags fliegen wir weiter nach Sindal ganz im Norden von Dänemark und durch­queren dabei die Airspaces von Karup und Aalborg. Die Airspaces in Dänemark sind durchaus anspruchsvoll organi­siert mit CTR, TMA, Local ATS Area, RMZ, FIZ, TIA, TRA u.a. Wir haben für uns das Prinzip abgeleitet, dass in niedriger Höhe (z.B. um die 3.000 ft oder niedriger) immer auf den nächst­ge­le­genen größeren Flughafen umgestellt werden muss, da dieser den kompletten IFR und VFR Flugverkehr im Umkreis abwickelt, während FIS (d.h. Copen­hagen Infor­mation) für die Gebiete außerhalb der größeren Flugplätze zuständig ist. Da die Lotsen uns immer geduldig, hilfs­bereit und gut verständlich begleiten, gibt es keinerlei Probleme. Die TRAs (= temporary reserved airspaces) in Dänemark sind nach Freigabe im Funk auf unserer Reise immer offen gewesen. Aber eine gute Flugvor­be­reitung mit allen Frequenzen (bei uns nutzt jeder SkyDemon) ist unbedingt erfor­derlich.

In Sindal ganz im Norden von Dänemark sind wir abends um ca. 18.00 Uhr gelandet, da hatte die ZD an einem Tag bereits rund 1.000 km (mit Zwischen­stopps) absol­viert! Der Flugplatz in Sindal ist nicht mehr besetzt, was aber in Dänemark unpro­ble­ma­tisch ist: Blind­mel­dungen abgeben und die Piste mit der passenden Windrichtung selbst aussuchen. Nachdem wir auch den Trick heraus­ge­funden haben, wie wir aus dem Flugplatz-Gelände wieder heraus­kommen (Torstange aus dem Boden ziehen), sind wir mit einem großen Taxi in die kurzfristig gebuchten Zimmer gebracht worden, nach dem dritten Anlauf hat auch der Taxifahrer die Unter­kunft gefunden. Da die Coolen hinten saßen, sind wir aber völlig entspannt. Die Zimmer haben ein Kästchen mit Zugangscode für den Schlüssel, den wir glück­li­cher­weise nach zwei Telefon-Anrufen auch erhalten. Die nächste Heraus­for­derung ist das Öffnen der Türen. Wusstet ihr, dass manche Türschlösser in Skandi­navien erst zu öffnen bzw. zu schließen sind, wenn man den Türgriff nach oben(!) bewegt? Nach einigen verzwei­felten Experi­menten hat uns Sebastian dann erlöst (sonst hätte Jörg das Werkzeug geholt…).

Am Morgen machen wir uns nach einer Stärkung in einer nahege­le­genen Bäckerei wieder auf den Weg und betanken am Flugplatz die Maschinen. Unserer Ansicht nach ist Sindal ein perfekter Flugplatz: Sehr freund­liche Leute, prima Asphalt­piste, für Dänemark-Verhält­nisse faire Gebühren. Das nahege­legene Altersheim hatte einige Bewohner auf Fahrrädern mit Begleit­person zum Flugplatz gebracht, die sich an den schnit­tigen Airplanes und Pilots erfreut haben, so dass wir das lokale Unter­hal­tungs­niveau deutlich verbessert haben.

Das nächste Ziel ist die Insel Læsø südöstlich von Sindal, dazwi­schen ca. 15 Meilen über das Meer. Also Schwimm­westen an, vorher ein kurzer Abstecher nach Norden zum Treff­punkt von Nordsee und Ostsee.

Danach sind wir wieder mit Blind­mel­dungen auf Læsø gelandet. Ein Teil der Flugzeug­be­sat­zungen wird noch mit schnellen Funkwechseln geschult, aber dieje­nigen, die die Funkprü­fungen bestanden haben, dürfen dann auch auf die Platz­fre­quenz (keine Funkab­de­ckung mit FIS auf Læsø unter 1.500 ft) . Læsø, unter uns bekannt als „Island-Twenty-Five“ verlangt eine stolze Lande­gebühr von 25 €, die auf dem menschen­leeren Platz ordnungs­gemäß hinterlegt wird.

Von dort brechen wir mangels Zeit relativ bald wieder zu unserem nächsten Ziel auf: Ærø, eine kleine Insel in der Südsee von Dänemark. Ein toller Flug über den Küsten und Fjorden von Dänemark, teilweise über den Wolken in FL75 bzw. etwas niedriger in FL65 für die Wolken­kurver. Beein­dru­ckend ist die Sicht auf die Brücke über den großen Belt bei Nyborg. Das Wetter und die Landschaft sind traumhaft, aber wir wissen, dass das Wetter am nächsten Tag schon schlechter werden kann. Armin hat nicht nur dankens­wer­ter­weise die Route vorge­plant, sondern uns als Wetter­orakel auch noch während des Ausflugs mit Infor­ma­tionen versorgt. Deshalb haben wir den möglichen Zwischen­stopp in Ringsted mit Ausflug nach Kopen­hagen gestrichen und uns mit Insel­urlaub belohnt. Nach der Landung auf der Buckel­piste in Ærø tanken wir und wundern uns nicht nur über den stolzen Avgas-Preis von rund 3,45 € pro Liter, sondern auch über die Abrech­nungen der getankten Menge, die deutlich höher ist als technisch überhaupt möglich. Also: Augen (bzw. Kamera) auf beim Tanken auf Ærø! Mit dem Fahrrad geht es nach Ærøskøbing, ein wunder­schöner Ort am Meer mit vielen Fachwerk­häusern. Die ganze malerische Stadt steht unter Denkmal­schutz. Auch wir haben eine Unter­kunft in einem perfekt restau­rierten Häuschen und haben uns mit den besten Fisch­brötchen unseres Lebens an der Sonne, dem Meer und den Strand­hütten erfreut. Natalie hat im Meer gebadet (na gut, es war ein Zeh, aber immerhin) und wir haben uns anschließend am Pizzaofen aufge­wärmt.

Am nächsten Morgen fliegen wir nach Wangerooge. Die Controller auf FIS haben uns köstlich unter­halten („Achtung: Libelle Polizei­hub­schrauber kreist in 1.500 ft um ihre Position.“ Antwort: „Kontrol­lieren die jetzt schon in der Luft unsere Führer­scheine?“). Schon wieder traum­haftes Wetter: Zwar kalt, aber sonnig. Der große Zeh von Natalie hat uns in seiner Färbung keine wesent­lichen Tempe­ra­tur­un­ter­schiede zur Ostsee erkennen lassen.

Abends sind wir dann gemütlich im Tiefflug nach einer Inspektion der LNG-Terminals in Wilhelms­hafen zurück nach Gander­kesee und haben eine ruhige Nacht bzw. ein ausgie­biges Frühstück genossen (Service­per­sonal an Pilot: „Wieso ist Ihr Teller denn nicht leer gegessen?“). Der Weg zurück nach Mainz am anderen Morgen ist ganz entspannt, das Tief aus dem Nordwesten hat sich Zeit gelassen und mit der richtigen Flughöhe haben wir sogar ein bisschen Rückenwind. Im Taunus ist die Thermik noch ganz sanft und auch die ZD hat eine Freigabe zum Durchflug des Taunus erhalten.Unser Fazit: Dänemark ist ein wunder­schönes Land, speziell auch aus der Luft. Die Kosten sind recht hoch, aber die Qualität auch hochwertig. Das war ein toller Ausflug mit einem super Team, wir haben den ganzen Tag gelacht und Spaß gehabt! Danke an alle für die schöne Zeit!

 

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